ARCHITEKTUR DER NATUR DAS BAUMPORTRAIT DU - ICH - WIR FRÜHER INTO THE TREES MORGENLAND SKIZZEN + IDEEN
COMING SOON ARBEITEN WIE WOLLEN WIR LEBEN? / DAS MANIFEST FILME LEBENSWEG SOZIALE PLASTIK AUSSTELLUNGEN TEXTE + PRESSE LINKS KONTAKT / IMPRESSUM
Joachim Geil / 2007 … Der Vater geht in den Wald Text zur Malerei : Architektur der Natur von Helge Hommes Der Vater geht in den Wald. Der deutsche Wald. Doch nicht nur deutsche Väter sind Waldgänger. Sie gehen durch einen mythisch aufgeladenen Wald. Aufgeladen aufgrund seiner Naturhaftigkeit, also durch das, was immer schon war - und immer sein wird. Durch das Unheimliche und das Heimliche. Durch das Fremde und das Eigene. Durch das, was der Mensch nicht geschaffen hat. Wo man Erdbeeren sammeln kann, eine Hexe, einen Wolf, aber auch andere Menschen treffen kann, meist welche, die verwildert sind, eigensinnig oder gar dem Verbrechen zugeneigt - das ist der Ort des Waldes. So ergeben sich Vorstellungen vom Wald, in den der Mensch geht und den man sich nicht dunkel genug vorstellen kann. Ein rechter Wald ist ein Schwarzwald. Aber der Wald ist nicht nur mythischer Ort. Der Wald ist eine natürliche Ordnung, die von unüberschaubarer Komplexität ist. In ihrer Komplexität lässt sie den Menschen klein aussehen. Er ist angesichts dieser Struktur des Lebens und Sterbens, des Wachsens, Aufragens, Umstürzens, Vermoderns überfordert und verwirrt. Er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Nicht so der Waldgänger, er findet zu sich, indem er sich verliert. Er akzeptiert die Komplexität einer Ordnung. Ein Gesellschaftssystem. Die Pflanzengesellschaft des Waldes wird von Bäumen geprägt. Der Wald ist der Ort, der von Stand und Bestand gekennzeichnet wird, eine Kathedrale der Langsamkeit. Warum werden wir wehmütig, wenn wir in den Wald gehen? Weil es nicht mehr der Wald ist, den wir uns ersehnen, der die pflanzliche Alternative zur menschlichen Gesellschaft mit einem leisen Rauschen und einer stillen Unbeirrbarkeit darstellt. Heute gehen wir meist in den Forst, den Wald im Menschengewand. Mit der Ordnung von Menschenhand. Bundeswaldgesetz: § 2 Wald (1) Wald im Sinne dieses Gesetzes ist jede mit Forstpflanzen bestockte Grundfläche. Als Wald gelten auch kahlgeschlagene oder verdichtete Grundflächen, Waldwege, Waldeinteilungs- und Sicherungsstreifen, Waidblößen und Lichtungen, Waldwiesen, Wildäsungsplätze, Holzlagerplätze sowie weitere mit dem Wald verbundene und ihm dienende Flächen. Der Wald als Nutzfläche ist nicht der Wald, den wir Waldgänger meinen. Auch ich in Arkadien. Helge Hommes kommt aus dem Wald und geht in sein Studio Der Waldgänger hat Dinge gesehen, die zu einer grundlegenden  Bedeutung werden. Er hat Existentielles geschaut. Nun arbeitet er es ab. Vom Wald zum Baum. Schwarze und grüne Farbe ergibt einen Schwarzton mit einem Grünstich. Es entsteht eine Nuance, die die ungegenständliche Schwärze im Lichtschein zu etwas Materiellem ausfallen lässt. Geäst ist die Struktur des Baumes Es ist grundlegend. Es ist nicht tot. Der Baum im Winter ist reines Geäst. In seiner Ruhephase zeigt sich reine Struktur. Die Luft riecht nicht, kein lärmender Vogel. Der Mensch ganz Beobachter, ganz begreifendes Auge. Der Wald ist unendlich. Jeden Ast wollte ich als Kind malen. Als Kind, als ich kindlich malte. Mal, was du siehst! Aber ich sehe so viele Äste, wenn ich den Wald male, dass ich so viele Äste weglassen muss. Helge Hommes hat begriffen, Strukturen entdeckt. Daraus baut er ein Modell. Das Modell "Wald". Mit einer Demut, die erkannt hat, dass selbst die Komplexität seines Modells noch undurchdringlich war. So können nur Ausschnitte sichtbar werden. Und so malt Helge Hommes keinen Baum und keine Bäume. Er nähert sich dem Modell "Wald" im Modell schwarzgrüner Strukturen an. Und er sucht das Modell in einem Spannungsfeld zwischen dem Auge, das ein Netzhautbild weiterreicht, und der Einsicht, dass nur die Klarheit der Form eine Klarheit des Erkennens spiegeln und ihrerseits weiterleiten kann: an den Betrachter. Der holländische Maler Piet Mondrian ist einst den Weg vom Landschaftsmaler zu einem Neuen Gestalter gegangen, der das so genannte natürliche Bild des Baumes hinter sich ließ und ganz zu den Verhältnissen im Inneren vordringen wollte. Er nannte dies eigentümlicherweise Neoplastizismus. In einem fiktiven Gespräch zwischen einem Maler und einem Sänger nahm Mondrian die Position des Malers ein: Wenn Sie sich vorstellen, dass ich bei der Darstellung eines Baumes immer mehr vom Gebogenen abstrahierte, dann werden Sie auch verstehen, dass am Ende nur sehr wenig von der Erscheinung eines Baumes übrig blieb. Helge Hommes aber hebt die Spannung zwischen der Erscheinung und der Idee nicht auf, er gibt sie zu Nicht immer befreit sich der Maler von den Bildern, die ihn umgeben und prägen. Manchmal lebt er mit ihnen, und das Gesehene schwingt mit. Berindete Baumstämme werden plastisch materialisiert in den pastosen Farbbahnen des groben Pinsels. Schroff und kantig ziehen sich die Linien des gehärteten Farbbreises über das Weiß der Leinwand. Andeutungen des Räumlichen unternimmt Helge Hommes in kaum merklicher Anwendung perspektivischer Gesetze. Da überschneiden sich die Bahnen des Pinsels wie auf der Bildfläche der vordere Ast den hinteren. Ein Bedürfnis nach Übersicht kommt auf. Man nimmt einen entfernteren Standpunkt zur großen Leinwand ein, um sich erst im Klaren zu werden über die Struktur. Sie erscheint als modellhaftes Netz. Die dicke Farbe als Annäherung an eine plastische Materialität tritt zurück. Zu sehen ist ein Geflecht aus Astlinien. Manchmal ist es nur eine einzige. Doch sie lässt keinen Zweifel, dass sie nur eine unter vielen ist, unter so vielen. Das lineare Fastschwarz auf der großen Weißfläche. Nichts ist vollendet, nichts ist abgeschlossen, alles ist lediglich Teil eines viel größeren Ganzen. Der Trost der klaren Linie verheißt einen Weg. Gangbar. Mit möglicher Orientierung. Der Waldgänger geht los: eine Strecke, die dann weiter gegangen werden muß, die aber einstweilen zurückgelegt werden kann - im erkennbaren Maß des Menschen, wenn er läuft und schaut. Symbolhaft? Zutiefst und überhaupt nicht. Das, was wir ersehnen, ist nicht der Wald von Menschenhand, der Wald, der für uns mit Bedeutung aufgeladen wurde, sondern ein Wald, den wir mit Bedeutung aufladen. Helge Hommes schafft ein Modell, in dem wir selbst das beginnen können, was den Menschen im Angesicht des Waldes ausmacht Mythen schaffen. In den Wald gehen. Der Vater geht in den Wald.
go on... ARCHITEKTUR DER NATUR